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Almuth Schults U20-WM-Stimmungsbarometer V

Ein Spiel vom Titel entfernt. Noch zwei Mal schlafen und ein Mal 90 Minuten oder vielleicht auch 120 von unserem großen Ziel entfernt. Um euch auch die Zeit bis zum Finale zu vertreiben könnt ihr hier nachlesen, womit ich meine Zeit seit Sonntag verbracht habe. Zum Beispiel das Viertelfinalspiel gegen Südkorea.

Nachdem wir bereits am Sonntag mit dem gesamten Teams das weltbekannte Musical „Starlight Express“ - zur Ablenkung vom Fußball - besuchten, bekamen wir zudem den gesamten Montag F R E I. Kein Training ! das tat mal so richtig gut.

Einige Spielerinnen nutzten den freien Tag, um ihre Familien hier in der Umgebung zu besuchen. Für mich hätte sich ein Abstecher in die Heimat – 400 km hin und 400 km zurück über die vielbefahrene und staubehaftete A2 zeitlich gar nicht gelohnt. Also fuhr ich gemeinsam mit Kim (Kulig), Krissy (Gessat), Silvi (Arnold) und Laura (Benkarth) nach Oberhausen zum Shoppen. Meine EC-Karte kam reichlich zum Einsatz: einige Oberteile, eine Jeans, ein Portmonee, zwei Paar Schuhe waren die Ausbeute eines erfolgreichen Shoppingtages. Nachmittags gingen wir noch ins Kino und sahen uns „Karate Kid“ an, ehe uns der Shuttleservice (ich berichtet bereits darüber) zurück ins Bochumer Hotel ging.

Am Dienstag und Mittwoch richtete sich alles auf unseren Halbfinalgegner Südkorea. Einige Scouts hatten die Spiele der Südkoreanerinnen für unser Trainerteam beobachtet und ausgewertet. Mit diesen Erkenntnissen wurden wir von Maren Meinert und Bettina Wiegmann, optimal auf den WM-Neuling Südkorea eingestellt. Dies zeigt, wie viele Personen – die nicht im direkten Umfeld des Teams arbeiten bzw. zu sehen sind - am Erfolg der Mannschaft beteiligt sind.

Am Donnerstag ging es in unserem vierten Spiel in Bochum um den Einzug ins WM-Halbfinale. Irgendwie war ich vor dem Spiel gar nicht so nervös, wie einige meiner Mitspielerinnen. Oder kam es mir nur so vor? Kurz bevor wir zur Erwärmung ins Stadion gingen, begann es stark zu regnen. Die Fußballkenner unter euch werden jetzt sagen: „..jo, Fritz-Walter-Wetter, da kann also nix schief gehen.“ - für eine deutsche Fußballmannschaft. Zur Einstimmung auf das Spiel sahen wir einen Film mit all unseren Toren und den bisher schönsten Szenen der WM, musikalisch unterlegt mit „unserem“ WM-Song - I believe - von R. Kelly. Das sorgte bei vielen von uns für Gänsehaut …und feuchte Augen…..

So, wie auch in den vorangegangen Begegnungen waren wir hochkonzentriert und ein frühes Tor erzielen: „Hütchen“ (Svenja Huth), wie beim Eröffnungsspiel (13.). Kim zog nur 13 Minuten später einfach ab und dank der gegnerischen Torhüterin stand es nach einer halben Stunde 2:0 für uns. Na klar, traf auch Alex(andra) Popp - in der 50. Minute. Herrlich ließ Kim den Ball drei Minuten später mit der Brust abtropfen, zog direkt ab und schon stand es 4:0 (53.). Doch dann wurde auch ich geprüft. Nachdem ich mich bei zwei Paraden auszeichnen konnte, war ich beim Ehrentreffer der Südkoreanerinnen machtlos, die frei vor mir aus 11m zum Schuss kam. Das 5:1 fiel durch Elfmeter. Doch kurios war, wie dieser zu stande kam. Alex(andra) traf nach ihrem Schuss die Lattenoberkante, der Ball war nicht hinter der Torlinie und eine Südkoreanische Abwehrspielerin fing den Ball einfach so mit der Hand auf und legte ihm zum Abstoß hin. …hääää?... Zwar brauchten die Unpartiischen eine Weile dazu, um auf Handelfmeter zu entscheiden. Doch war die Entscheidung richtig. Zu dumm für den Gegner.

Nach dem Spiel drehten wir wieder unsere Ehrenrunde und bedankten uns mit einem Plakat bei den „Bochumer Fans“ für die tolle Unterstützung bei den vier WM-Spielen. Es ist einfach toll bei dieser Euphorie in den Stadien Fußball zu spielen und dann noch bei einer WM.

Nur kurz hatte ich noch die Gelegenheit mit meiner Familie von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und schrieb für die Fans fleißig Autogramme. Allerdings blieb dafür wieder viel zu wenig Zeit, denn innerhalb von 30 Minuten nach dem Schlusspfiff müssen alle Spielerinnen durch die Mixedzone gegangen sein. In der dieser Mixedzone warten die Medienvertreter, um Interviews mit Spielern und Trainern zu führen. Ich bin übrigens schon ein gefragter Interviewpartner. Ihr wisst ja, dass ich ganz gut erzählen kann. Gestern hab ich u.a. dem ZDF ein Interview gegeben. Dies soll übrigens am Samstag im „aktuellen Sportstudio“ zu sehen ist.

Am Abend hieß es dann ein letztes Mal Tasche packen für den Umzug nach Bielefeld. Dort wollen wir, mit einem Sieg über Nigeria (sie gewannen gegen Kolumbien mit 1:0) unseren Traum vom WM-Titel verwirklichen. Es wäre übrigens der zweite WM-Titel für ein U20 Team, denn bereits 2004 gewann Deutschland bei einer Nachwuchs-Weltmeisterschaft die begehrte Trophäe.

Eins steht jetzt schon fest: nach dem Bronzemedaillengewinn bei der U17-WM in 2008 Neuseeland werde ich eine noch wertvollere Medaille dazu bekommen. Ob Silber oder Gold ? wird sich am Sonntag zeigen. Aber mal ehrlich, wenn man in einem Finale steht, will man das auch gewinnen….bei einer WM……und im eigenen Land.

Klar, dass sich zum Endspiel noch mehr Verwandte und Freunde auf den Weg ins Stadion machen. Das sind bei mir so um die 40….ach ja und dann kommt das gesamte Team unserer Sportschülerinnen mit über 20 Leuten…..ich freue mich riesig.


So, nun geht es auf die Zielgerade.

 

Bis zum Sonntagabend oder Montagfrüh…mal sehen….

 

Liebe Grüsse aus Bielefeld

 

von Almuth

 

 

28. Juli 2010